Deventer: lebhafte Hansestadt an der IJssel



2.23 min

Den Haag hat seine Bonbons, Zwolle seine Balletjes, Kampen seine Uien (Zwiebeln) und Deventer seine Kuchen. Schon über 400 Jahre genießt die Stadt für ihre Gewürzkuchen, Beißerchen und Honigkuchen, internationale Bekanntheit. Eine Kuchenfabrik blieb vom Zahn der Zeit gänzlich unberührt: Jb Bussink. Im gleichnamigen Kuchengeschäft auf dem Platz Brink wird täglich frischer Kuchen gebacken. Nach dem Genuss von Kaffee und Gebäck sind Sie gestärkt, um die lebhafte, freie kaiserliche Hansestadt Deventer kennen zu lernen.

Deventer gilt als eine der ältesten Städte der Niederlande. Aus dem Jahre 806 stammt die erste Meldung in den Archiven über eine kleine Niederlassung an der IJssel. Der angelsächsische Mönch Lebuinus spielte im frühen Mittelalter eine bedeutende Rolle für die Geschichte der Stadt. Vom Wilpse Polder aus überquerte er die IJssel per Ruderboot, um dort seine Arbeit im Sinne der Christianisierung fortzusetzen. Er baute eine kleine hölzerne Kirche, genau an der Stelle, wo heute die mächtige Lebuinuskerk als prägendes Element in der Silhouette von Deventer prunkt. Es wird sogar berichtet, dass der Name Deventer unter Einfluss des gelehrten Lebuinus ursprünglich englisch ausgesprochen wurde, etwa Dèvuntur, und der Name Menstraat soll eine Abwandlung des Wortes Mainstreet (Hauptstraße) sein.

Bei einem Streifzug durch Deventer stoßen Sie auf eine Anzahl interessanter bautechnischer Details. Haben Sie zum Beispiel schon mal von einer „Ochsentraufe“ gehört? Das war in früheren Zeiten die Bezeichnung für einen Steg oder eine Öffnung zwischen zwei Häusern. Diese Durchgänge sind mittlerweile häufig verschlossen und zugemauert, um einer Verschmutzung durch Tauben vorzubeugen. An den Eckhäusern waren Kettenlöcher vorgeschrieben. Wenn es Nacht wurde, spannte man zur Sicherheit der Stadt dicke stählerne Ketten über den Weg. Die Ketten hingen in einer festen Höhe von 4 Fuß: Genau richtig, um einen Reiter zu Pferd, der während der Nacht wahrscheinlich nichts Gutes im Sinn hatte, zu Fall zu bringen.

Viele restaurierte Fassadensteine erzählen die Geschichten diverser Gebäude und ihrer Einwohner. Schauen Sie sich das monumentale Bergkwartier an. Einst heruntergekommen bis auf den Grund, wurde es in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit finanzieller Unterstützung von Ministerin Marga Klompé in altem Glanz wieder aufgebaut.

Auf einem der Fassadensteine des Viertels sind Gegenwart und Vergangenheit dargestellt. Sint Nicolaas als Schutzpatron der Deventer Seeleute, die unter anderem Stockfisch aus dem norwegischen Bergen transportieren, und der Geldbeutel von Frau Klompé. Der Stein ist in der Umgebung der einstigen Sint Nicolaaskerk, heute Bergkerk, zu sehen.

Deventer spielte in der Hanse eine bedeutende Rolle. Pro Jahr wurden dort mindestens sechs Jahrmärkte organisiert, die jeweils mehrere Tage dauerten. Kaufleute aus ganz Europa kamen dann in die IJsselstadt, was besonders im 14. und 15. Jahrhundert zu einem raschen Anwachsen des Wohlstands führte. In dieser Zeit entstand auch die „Moderne Devotion“, eine religiöse Bewegung unter Leitung von Geert Groote, die großen Einfluss hatte. Es war die Zeit, in der die Kaufmannshäuser mit den bekannten Hansegiebeln, nach dem Vorbild der wichtigsten (deutschen) Hansestadt Lübeck entstanden. Diese Giebel sind an den sogenannten „Pinakeln“ zu erkennen, Ziertürmchen, die in einer Vierteldrehung auf dem Giebel stehen.

Deventer bietet mehr Sehenswürdigkeiten, als man aufzählen kann. Die Buchung eines Stadtrundgangs beim ANWB/VVV-Büro ist deshalb die beste Art, die Stadt zu erkunden. Sie können dort selbst zwischen verschiedenen Themen wählen. So gibt es allgemeine geschichtliche Rundgänge (zwei Varianten). Sie können sich aber auch für den literarischen Rundgang, die Baumroute, die Jugendroute, eine Route über die Mennonieten und eine Wanderung unter dem Titel „Het Verstoorde Leen“ über das Leben der jüdischen Gemeinschaft in Deventer entscheiden.

In dem Waag-Gebäude aus dem Jahre 1528 befindet sich das Stadthistorische Museum, das Sie durch die wechselvolle Geschichte der Stadt Deventer führt. Die Kollektion des Spielzeugmuseums ruft nostalgische Gefühle wach, ebenso das Puppenkabinett. Das Automuseum und das Etty Hillesum Zentrum komplettieren das museale Angebot der Stadt.

In Deventer geht es lebhaft zu. Das haben Sie sicherlich schon bei einer der vielen Veranstaltungen in der Stadt erlebt. Das mittelalterliche Festival, „Op den Berghe“ zum Beispiel, Deventer auf Stelzen, einer der größten Büchermärkte Europas, das Charles-Dickens-Festival und so weiter....

Wer von all dem Rummel etwas Abstand nehmen will, dem empfehlen wir, den Turm der Grote oder der Lebuinuskerk zu erklimmen. Kurz die Zähne zusammen beißen (der Turm hat 220 Stufen), und Sie überblicken aus 60 Metern Höhe eine prächtige Hansestadt an der IJssel.

www.vvvdeventer.nl