Deventer: lebhafte Hansestadt an der IJssel
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Den Haag hat seine Bonbons, Zwolle seine Balletjes, Kampen seine
Uien (Zwiebeln) und Deventer seine Kuchen. Schon über 400
Jahre genießt die Stadt für ihre Gewürzkuchen,
Beißerchen und Honigkuchen, internationale Bekanntheit.
Eine Kuchenfabrik blieb vom Zahn der Zeit gänzlich unberührt:
Jb Bussink. Im gleichnamigen Kuchengeschäft auf dem Platz
Brink wird täglich frischer Kuchen gebacken. Nach dem Genuss
von Kaffee und Gebäck sind Sie gestärkt, um die lebhafte,
freie kaiserliche Hansestadt Deventer kennen zu lernen.
Deventer gilt als eine der ältesten Städte der Niederlande.
Aus dem Jahre 806 stammt die erste Meldung in den Archiven über eine
kleine Niederlassung an der IJssel. Der angelsächsische Mönch
Lebuinus spielte im frühen Mittelalter eine bedeutende Rolle für
die Geschichte der Stadt. Vom Wilpse Polder aus überquerte er die
IJssel per Ruderboot, um dort seine Arbeit im Sinne der Christianisierung
fortzusetzen. Er baute eine kleine hölzerne Kirche, genau an der
Stelle, wo heute die mächtige Lebuinuskerk als prägendes Element
in der Silhouette von Deventer prunkt. Es wird sogar berichtet, dass der
Name Deventer unter Einfluss des gelehrten Lebuinus ursprünglich
englisch ausgesprochen wurde, etwa Dèvuntur, und der Name Menstraat
soll eine Abwandlung des Wortes Mainstreet (Hauptstraße) sein.
Bei einem Streifzug durch Deventer stoßen Sie auf eine Anzahl interessanter
bautechnischer Details. Haben Sie zum Beispiel schon mal von einer „Ochsentraufe“
gehört? Das war in früheren Zeiten die Bezeichnung für
einen Steg oder eine Öffnung zwischen zwei Häusern. Diese Durchgänge
sind mittlerweile häufig verschlossen und zugemauert, um einer Verschmutzung
durch Tauben vorzubeugen. An den Eckhäusern waren Kettenlöcher
vorgeschrieben. Wenn es Nacht wurde, spannte man zur Sicherheit der Stadt
dicke stählerne Ketten über den Weg. Die Ketten hingen in einer
festen Höhe von 4 Fuß: Genau richtig, um einen Reiter zu Pferd,
der während der Nacht wahrscheinlich nichts Gutes im Sinn hatte,
zu Fall zu bringen.
Viele restaurierte Fassadensteine erzählen die Geschichten diverser
Gebäude und ihrer Einwohner. Schauen Sie sich das monumentale Bergkwartier
an. Einst heruntergekommen bis auf den Grund, wurde es in den sechziger
Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit finanzieller Unterstützung
von Ministerin Marga Klompé in altem Glanz wieder aufgebaut.
Auf einem der Fassadensteine des Viertels sind Gegenwart und Vergangenheit
dargestellt. Sint Nicolaas als Schutzpatron der Deventer Seeleute, die
unter anderem Stockfisch aus dem norwegischen Bergen transportieren, und
der Geldbeutel von Frau Klompé. Der Stein ist in der Umgebung der
einstigen Sint Nicolaaskerk, heute Bergkerk, zu sehen.
Deventer spielte in der Hanse eine bedeutende Rolle. Pro Jahr wurden
dort mindestens sechs Jahrmärkte organisiert, die jeweils mehrere
Tage dauerten. Kaufleute aus ganz Europa kamen dann in die IJsselstadt,
was besonders im 14. und 15. Jahrhundert zu einem raschen Anwachsen des
Wohlstands führte. In dieser Zeit entstand auch die „Moderne
Devotion“, eine religiöse Bewegung unter Leitung von Geert
Groote, die großen Einfluss hatte. Es war die Zeit, in der die Kaufmannshäuser
mit den bekannten Hansegiebeln, nach dem Vorbild der wichtigsten (deutschen)
Hansestadt Lübeck entstanden. Diese Giebel sind an den sogenannten
„Pinakeln“ zu erkennen, Ziertürmchen, die in einer Vierteldrehung
auf dem Giebel stehen.
Deventer bietet mehr Sehenswürdigkeiten, als man aufzählen
kann. Die Buchung eines Stadtrundgangs beim ANWB/VVV-Büro ist deshalb
die beste Art, die Stadt zu erkunden. Sie können dort selbst zwischen
verschiedenen Themen wählen. So gibt es allgemeine geschichtliche
Rundgänge (zwei Varianten). Sie können sich aber auch für
den literarischen Rundgang, die Baumroute, die Jugendroute, eine Route
über die Mennonieten und eine Wanderung unter dem Titel „Het
Verstoorde Leen“ über das Leben der jüdischen Gemeinschaft
in Deventer entscheiden.
In dem Waag-Gebäude aus dem Jahre 1528 befindet sich das Stadthistorische
Museum, das Sie durch die wechselvolle Geschichte der Stadt Deventer führt.
Die Kollektion des Spielzeugmuseums ruft nostalgische Gefühle wach,
ebenso das Puppenkabinett. Das Automuseum und das Etty Hillesum Zentrum
komplettieren das museale Angebot der Stadt.
In Deventer geht es lebhaft zu. Das haben Sie sicherlich schon bei einer
der vielen Veranstaltungen in der Stadt erlebt. Das mittelalterliche Festival,
„Op den Berghe“ zum Beispiel, Deventer auf Stelzen, einer
der größten Büchermärkte Europas, das Charles-Dickens-Festival
und so weiter....
Wer von all dem Rummel etwas Abstand nehmen will, dem empfehlen wir,
den Turm der Grote oder der Lebuinuskerk zu erklimmen. Kurz die Zähne
zusammen beißen (der Turm hat 220 Stufen), und Sie überblicken
aus 60 Metern Höhe eine prächtige Hansestadt an der IJssel.
www.vvvdeventer.nl
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